Vorträge Sommersemester 2015
Das neue Russland

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Donnerstag, 11. Juni 2015, 18 Uhr
Hörsaal 13, Geocampus (Campus II), Universität Trier

Prof. Dr. Jörg Stadelbauer
(Universität Freiburg)
„Russlands Grenzen – kein unumstrittener status quo“

Bei der Auflösung der Sowjetunion einigten sich die politischen Führer der Nachfolgestaaten darauf, zunächst die bisherigen Grenzen der Unionsrepubliken unverändert als neue Staatsgrenzen anzuerkennen und den Status quo beizubehalten. Zwar blieben Grenzziehungen und Territorialzuordnungen nicht unumstritten, und es gab auch kleinere, gegenseitig abgestimmte Korrekturen, aber die Annexion der Krim durch Russland war die erste massive Abkehr von einer Geopolitik eingefrorener Grenzen. Am Beispiel mehrerer Grenzsituationen will der Vortrag die räumlichen und geschichtlichen Hintergründe beleuchten, die gelösten und ungelösten Konflikten an Grenzabschnitten zugrundeliegen. Bei den innerrussischen Grenzen gab es seit der Jahrhundertwende einzelne Verschiebungen, die auf Verwaltungsnotwendigkeiten, Befriedungsaktionen und Metropolenwachstum zurückzuführen sind. Auch sie sollen unter politisch-geographischen Gesichtspunkten beleuchtet werden.

Donnerstag, 2. Juli 2015, 18 Uhr
Hörsaal 13, Geocampus (Campus II), Universität Trier

PDr. Isolde Brade (Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig)
„Die Städte Russlands im Spannungsfeld von Globalisierung und Provinzialismus“

Es sind vor allem die Städte Russlands, in denen sich Modernisierungsprozesse im Kontext von Globalisierung, Transnationalität und Nationalstaatsbildung räumlich niederschlagen. Sie verkörpern die neuen sozioökonomischen, räumlichen und politischen Dynamiken. Der Bedeutungswandel der Städte unter den seit dem Zerfall der Sowjetunion und der gesellschaftlichen Systemtransformation veränderten politischen Rahmenbedingungen bedingt dabei besondere Formen und Ausprägungen der Anpassung an aktuelle Phänomene der Globalisierung und Internationalisierung. Ebenso prägt die Größe des Landes mit seinen kontinentalen Ausmaßen die regionale, ökonomische, naturräumliche und ethnische Differenziertheit der urbanen Räume.
Der Vortrag greift diese Aspekte auf. Er beruht auf einem langjährigen Russland-Monitoring im Rahmen von Forschungsprojekten, Kooperationen mit Wissenschaftlern sowie Praktikern aus Verwaltung und Wirtschaft und geht insbesondere den Fragen nach:
•    Welche sozialökonomischen Auf- und Abwertungen von Städten und Städtegruppen sind im Zuge der globalen und gesellschaftlichen Systemveränderungen zu beobachten?
•    Welche Städte sind die Gewinner, welche die Verlierer? Und warum?

Donnerstag, 9. Juli 2015, 18 Uhr
Hörsaal 13, Geocampus (Campus II), Universität Trier

Prof. Dr. Peter Lindner
(Universität Frankfurt/Main)

„Ich bin hier der Gutsherr
und ihr seid meine Leibeigenen“
Wege, Umwege und Irrwege der Entwicklung des russischen Agrarsektors seit dem Ende der Sowjetunion

Die Reorganisation der Kollektivbetriebe im ländlichen Raum Russlands zählt zu den größten Privatisierungsprojekten überhaupt: Einbezogen waren über 10 Mio. Beschäftigte und eine Fläche, die dem fünffachen Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland entsprach. Die Auflösung der Kolchoze und Sovchoze musste dabei meist gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzt werden und das ursprüngliche Ziel, die Etablierung kleinbäuerlicher Strukturen, wurde nicht einmal in Ansätzen erreicht. Der Vortrag geht den Ursachen dieses Scheiterns nach und zeigt, dass der Schlüssel zum Verständnis des Verlaufs der Transformation in der symbiotischen Beziehung zwischen Hofwirtschaften und Großbetrieben zu sehen ist. Er endet mit einem Überblick zu den jüngsten Entwicklungen, die häufig mit dem Begriff „Land Grabbing“ umschrieben werden und eine völlig unerwartete Wende in der nunmehr fast 25jährigen Geschichte des Privatisierungsprozesses im ländlichen Raum Russlands bedeuten.

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